02.03. Victoria Falls – München

Tja, leichter gesagt als getan! Ich kann so gut wie gar nicht schlafen und liege beinahe die ganze Nacht wach in meinem Bett und werde von dem Bungeesprung geplagt. Gegen 2:30 Uhr in der Nacht treffe ich für mich die Entscheidung, dass  ich nicht springen werde, weil mein Gefühl bei der Sache nicht gut ist. Mir wird nach und nach bewusst, dass ich keinen Bungeesprung bei uns in Deutschland mit Jochen Schweizer gebucht habe, sondern hier irgendwo in Afrika, wo uns die Leute an allen Ecken um Bargeld, Kleidung und sonstige Nutzgegenstände anbetteln. Ich fange an, deren Sicherheitsbewusstsein anzuzweifeln und ich realisiere nach und nach, dass die Chancen den Bungeesprung zu überleben, wenn etwas schief geht gleich 0 sind. Der Zambesi-River, der eigentlich für Wildwasser-Raftingtouren geeignet ist, ist momentan eben dafür gesperrt, weil er zu viel Wasser hat und das Risiko, dass etwas passiert einfach viel zu hoch ist. Da stellt sich mir die Frage, wie im Fall eines reißenden Bungeeseils und dem damit verbundenen Sturz in den Zambesi-River ein ohnehin nicht gerade begnadeter Schwimmer wie ich auch noch mit zusammengebundenen Beinen hier eine Überlebenschance haben soll. Gut, sicherlich ist das ein wenig übertrieben, aber rein die Wahrscheinlichkeit, dass alles glatt geht, reicht mir als kalkulierbares Risiko nicht aus.   Ich bin immerhin schweißgebadet und kann die ganze Nacht kein Auge zumachen, weil ich an den Sprung denken muss, was eigentlich eher untypisch für mich ist. Ich hätte den Sprung wirklich gleich ohne groß darüber nachzudenken zusammen mit den Drifterinnen machen sollen. Naja, jetzt ist es auf jeden Fall beschlossene Sache: Ich cancle dieses Vorhaben! Dann bin ich eben ein Pok-Pok-Hühnchen! Aber lieber ein Pok-Pok-Hühnchen als Matsch im Zambesi River.   Kaum habe ich diesen Entschluss gefasst, entspannen sich alle Fasern meines Körpers. Vielleicht bekomme ich ja mein Geld zurück und falls nicht, habe ich eben Pech gehabt. Danach kann ich immerhin noch 1 bis 1 ½ Stunden in dieser Nacht schlafen, ehe um 7 Uhr der Wecker klingelt. Schnell, ein letztes Mal ab zum Frühstücksbuffet, denn ich bin am Verhungern. Gibt’s heute keine Eier? Was soll denn das? Doch, anscheinend muss man die heute beim Ober bestellen, das ist ja strange. Ich betrete kaum das Restaurant, da spricht mich auch schon der Rezeptionist an, wie es mir geht und ob ich mich auf meinen Sprung freue. Ich erkläre ihm, dass ich es mir anders überlegt habe, nachdem ich eine ganze Nacht deshalb wach im Bett gelegen bin und kein besonders gutes Gefühl bei der Sache habe. Er ist ziemlich verständnisvoll und wird für mich um 8:15 Uhr bei der Company anrufen und fragen, ob das Geld rückerstattet werden kann. Puh, das klingt gut. Da schmeckt mir mein Frühstück gleich besser.   Wir verschwinden schnell ins Zimmer und suchen die Sachen zusammen, die wir Napoleon überlassen können und dann ist es auch schon an der Zeit an die Rezeption zu kommen. Der Hann dort ruft die Company an und ehe ich mich versehe haben den Telefonhörer am Ohr und muss mein Anliegen schildern. Der Kerl am anderen Ende der Leitung erklärt, dass er zunächst mit seinem Boss sprechen muss und dann gegen 10 Uhr im Hotel vorbeikommt. Okay, alles klar, dann warten wir auf ihn.   Da es bis dahin noch genug Zeit ist, können wir ja mal schauen, ob wir den Termin mit Napoleon vorverlegen können. Welch eine Überraschung, er wartet wirklich schon vor dem Hotel auf uns und zeigt uns die angeforderten Big Five. Ja schön, mal schauen, was er zu den mitgebrachten Duschmitteln, einer Decke, ein Handtun, 2 T-Shirts und noch weiteren Kleinkram sagt. Es dauert nicht lange, dann kreuzt auch Felix wieder auf – oh Mann, der Typ geht mir ganz schön auf den Keks. Auch Napoleon scheint inzwischen unlocker zu werden, denn auf einmal packt ihn die Gier. Zu all den Sachen will er auch noch 10 US-Dollar,weil die Big Five nicht von ihm sind. So haben wir aber nicht gewettet, Kumpel! Am Ende einigen wir uns auf 5 US-Dollar und die Sachen, die wir ohnehin nicht mehr benötigen. Trotzdem haben wir uns eigentlich ein lukrativeres Geschäft erwartet, aber egal.   Ab zum Duschen und  noch ein bisschen am Pool rumsitzen, viel Zeit haben wir sowieso nicht. Um 10 Uhr kommt tatsächlich der Bungee-Jumping-Company-Typ und mir bringt mir meine vollen 130 US-Dollar zurück. Da ich damit eigentlich eh nicht gerechnet habe, gebe ich ihm 10 US-Dollar Trinkgeld, das scheint mir aufgrund der Tatsache, dass er mir das Geld sogar hinterher trägt als durchaus angebracht. Juppie, kein totales Verlustgeschäft!   Jetzt haben wir noch ca. 45 Minuten am Pool, bis wir all unsere Sachen zusammenpacken und das Zimmer räumen müssen. An der Rezpetion werden wir nochmal um 5 Dollar geprellt, da angeblich keine 10 Dollar Wechselgeld vorhanden sind, sondern nur 5. Naja, jetzt ist es wohl auch schon Wurscht.   Pünktlich um 11:15 kommt unser Taxi zum Flughafen. Der Flieger geht um 13:25 Uhr nach Johannesburg und von dort aus nach einem 6-stündigen Aufenthalt geht’s nach Hause. Die Heimreise zieht sich ziemlich, aber irgendwie schaffen wir es doch, die Zeit tot zu schlagen. Einzig die in München herrschenden minus 8 Grad gefallen uns gar nicht…

 

01.03. Victoria Falls

Kaum zu glauben, aber unser letzter Urlaubstag ist tatsächlich schon herangerückt. Zum Glück haben wir noch ein Highlight vor uns. Nämlich unseren Helikopterflug über die Victoria Falls. Aber zunächst alles ganz routiniert, wir stehen um 7 Uhr auf, marschieren zum Frühstücksbuffet und springen anschließend noch eine Runde in den Pool, bevor unser Shuttle uns um 10 Uhr auch schon für unseren Rundflug abholt.

Die Fahrt zum Hubschrauberlandeplatz dauert nur ein paar Minuten. Dort angekommen müssen wir zunächst die Park-Entrance-Fee bezahlen und uns auf die Waage stellen, ehe mit 4 anderen Teilnehmern der Sturm auf die begehrtesten Plätze im Helikopter beginnt. Hank kann sich den Platz vorne neben dem Piloten sichern und ich sitze unmittelbar hinter ihm am Fenster. Ja, das passt so. Kaum sind wir angeschnallt, hebt der Hubschrauber auch schon ab und fliegt zu den Wasserfällen. Die Sich von hier oben ist einfach atemberaubend. Das Ausmaß der Wasserfälle wird uns dabei erstmals richtig bewusst. Der Ausblick ist einfach gigantisch!

Da derzeit Regenzeit ist, haben die Wasserfälle auch besonders viel Wasser und wirken noch eindrucksvoller. Wir sind absolut begeistert und haben die Kameras auf Dauerfeuer. Leider dauert der Flug nur 13 Minuten, was natürlich viel zu schnell vorbei ist, aber der einzigartige Blick ist es auf alle Fälle wert. So kehren wir völlig euphorisch zum Hubschrauberlandeplatz zurück, wo man uns gleich ein Video und Fotos von unserem Heli-Abendteuer zeigt, die wir auf DVD für teuer-Geld erwerben könnten. Nein, also das muss dann auch nicht sein, wir lassen uns ohne diese Erinnerungsstücke zum Hotel zurück bringen. Dort steht mal wieder eine Poolrunde an, wobei wir nicht viel Zeit haben, weil wir um 12 Uhr schon für unsere guided tour abgeholt werden.

Auch diesmal zeichnet sich der Einheimische durch übermäßige Pünktlichkeit aus, was uns wirkich erstaunen lässt. Bevor wir zu den Wasserfällen fahren, machen wir einen Abstecher zum 2 Kilometer entfernten Big Tree und was wir dort vorfinden, ist mal wirklich „big“. Der über 1500 Jahre alte und 23 Meter hohe Baum hat einen Umfang von sage und schreibe 18 Metern! Echt irre, der ist wirklich gigantisch groß.

Sollte man definitiv gesehen haben. Nach diesem eigentlich nicht zur Tour gehörenden Abstecher geht es nun zum Victoria Falls National Park, wo wir und auch unser Guide erstmal wasserdichte Raincoats ausleihen. Er meint, dass wir die definitiv brachen. Da bin ich ja mal gespannt!

Brav zahlen wir noch unsere Entrance-Fee und dann kanns losgehen. Zunächst erzählt uns der Guide etwas über die Fälle, insbesondere wie sie entstanden sind. Ursprünglich war hier wohl nur der Zambesi-River, aber durch Verschiebungen der Erdplatten ist eine ca. 100 Meter tiefe Schlucht entstanden und damit auch die Wasserfälle. Insgesamt sind sie wohl 1,7 Kilometer breit und tragen ihren Namen aufgrund ihres weißen Entdeckers Mr. Livingstone. Er,ein Schotte, war anscheinend der erste Weiße, der dieses Naturereignis zu Gesicht bekommen hat und davon so begeistert war, dass er die westliche Welt hierhin gebracht hat. Der Name stammt von seiner geschätzten Königen Victoria, zu deren Ehren er die Wasserfälle benannt hat. Die Afrikaner hingegen haben einen eigenen Namen für die Wasserfälle, der allerdings so kompliziert war, dass ich ihn mir nicht merken konnte.

Damit beginnt schließlich unsere Tour: erstes Ziel ist die Livingstone Statue, die ihrem Entdecker gewidmet ist. Weiter geht die Tour an den Wasserfällen entlang, jeweils mit Frontblick auf diese gigantischen Wasserfälle. Die Regenmäntel brauchen wir inzwischen auch, denn das herabrauschende Wasser spritzt im hohen Bogen wieder zurück. Bis zum Danger Point wird das sogar so krass, dass man das Gefühl bekommen könnte, in einem Monsunregen zu stehen. Einfach Wahnsinn! Vom Danger Point geht es noch zu einem Lookout-Point, der direkten Blick auf die Brücke bietet und schließlich marschieren wir wieder zurück.

Zwischenzeitlich sind wir so hungrig, dass wir den Guide bitten uns bei einem Restaurant abzusetzen. Er liefert uns schließlich bei der Ilala Lodge ab, wo wir völlig überteuerten und mengenmäßig völlig unterportionierten Fisch zu uns nehmen. Naja, zumindest geschmacklich ist es gut hier. Ich genehmige mir noch einen Cappuccino, bevor wir uns schließlich auf den Fußmarsch zurück zum Hotel machen. Unterwegs kehre ich noch beim ATM ein, um mir das nötige Bargeld für meinen Bungee-Sprung zu besorgen. Wir treffen erneut auf Napoleon und setzen ihn über die Änderung der Uhrzeit in Kenntnis. Felix schwirrt auch schon wieder um uns herum und lässt sich bis zum Hotel nicht abwimmeln. Dort versuche ich ein weiteres Mal den Bungee-Sprung zu buchen. Mir wird erklärt, dass das so nicht geht, es muss der Buchungsmensch angerufen werden und der kommt dann her und ich kann bezahlen und bekomme meinen Voucher.

Wir quartieren uns mal wieder am Pool ein und es dauert nicht lange, dann kommt tatsächlich der besagte Buchungsmensch. Cash gegen Voucher und schon ist er wieder weg.

So jetzt habe ich den Salat. Kaum bin ich mir bewusst, dass ich morgen früh Bungee springen muss, werde ich nervös. Ich spüre direkt das Adrenalin. Bis ca. 21 Uhr lese ich so vor mich hin und versuche dann einzuschlafen…

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28.02. Victoria Falls

7 Uhr: Zeit zum Aufstehen. Wir wollen doch zum Ende der Reise nicht von den Gewohnheiten abweichen. Natürlich geht es hier auf direktem Weg zum reichhaltigen Frühstücksbuffet. Ja, sowas hätte definitiv jeden Tag auf unserem Programm stehen sollen!

Mit ausreichend Nahrung gestärkt, nehmen wir gleich mal den ersten kostenlosen Shuttlebus zu den Victoria Falls, da wir zunächst einmal auf die Brücke gehen möchten, die ist laut unseren Informationen die einzige Möglichkeit die Wasserfälle kostenlos ansehen zu können. Da die Brücke über den Zambesi-River die Länder Simbabwe und Sambia verbindet, müssen wir auf unserer Seite im Immigration Office ausreisen, dürfen aber auf der anderen Seite der Brücke nicht einreisen, was bedeutet wir befinden uns auf der Brücke auf Niemandsland.

Zunächst müssen wir aber ein Stückchen laufen, um überhaupt zur Brücke zu gelangen. Die hohe Luftfeuchtigkeit bekommen wir bald zu spüren, denn selbst aus dieser Entfernung zu den Fällen spüren wir den „Regen“, der von den gigantischen Wassermassen ausgeht. Leider ist aufgrund der brutalen Gischt momentan nur schlechte Sicht auf die Fälle, aber kann schon erahnen, um was für ein beeindruckendes Naturschauspiel es sich hier handelt. Auf der Brücke begegnen wir wieder den Mädels, die die Busreise von Drifters machen und jetzt reihum Bungee springen. Wenn ich dem Ganzen so zuschaue, dann bekomme ich durchaus auch Lust, mich die rund 120 Meter zum Zambesi River runter zu stürzen. Leider kann man hier wohl nicht spontan einsteigen, so dass ich erstmal einen Sprung buchen und bezahlen muss. Naja, später dann.

Die einheimischen Holzschnitzgangster sind auch schon wieder da und labern uns voll. Hank kauft am Ende eine Kette, wobei er den Händler von zunächst 300 Rand auf 10 Rand runter handeln kann. Ja,so macht verhandeln natürlich schon Spaß. Wir beobachten noch eine Weile die Bungee-Drifterinnen ehewir zurück zum Hotel marschieren.

Auf der Straße windet sich eine kleine grüne Schlange, bei der es sich – wie sich später herausstellt – um eine äußerst giftige Green Mamba handelt. Gut, dass wir das erst hinterher erfahren haben, denn wir beobachten sie ziemlich fasziniert.

Schließlich legen wir die ca. 2 Kilometer bis zu unserem Hotel zu Fuß zurück, wobei wir an allen Ecken wieder irgendwelche Einheimischen abwimmeln müssen. Auch auf Napoleon treffen wir wieder und er erkundigt sich, ob unser Sonntagstermin noch steht – keine Sorge, Kleiner, wir werden da sein! Sein „Freund“ Felix hingegen geht uns doch ziemlich auf den Wecker, denn den werden wir  bis zum Hotel nicht mehr los. Dort angekommen, gibt es erstmal einen erfrischenden Jump in den Pool, bevor wir im hoteleigenen Restaurant zu Mittag essen. Zu meinem Enttäuschen bin ich von den Pasta Carbonara eher überhaupt nicht begeistert, so dass ich eher rumstochere als genüsslich mein Essen verzehre. Naja egal, satt bin ich trotzdem.

Gestärkt geht es wieder zurück an den Pool. Uns plagt inzwischen fast ein schlechtes Gewissen, dass wir unsere Aktivitäten nicht bei dem besonders hilfsbereiten Herrn an unserer Rezeption gebucht haben, denn er kümmert sich um uns, wie eine Mama um ihr Baby. Naja, aber das lässt sich jetzt leider nicht mehr ändern. Dafür werde ich meinen Bungeejump, für den ich mich inzwischen entschieden habe, bei ihm buchen.

Gegen 16 Uhr tanzen wir an der Rezeption an, denn bis zur Abholung zum Sunset Cruise sind es noch 15 Minuten und in der Zwischenzeit kann ich den Sprung für Samstag in aller Frühe schon mal klar machen. Ich erkläre dem Rezeptionisten gerade mein Anliegen, da kommt auch schon unser Shuttle. Was soll denn das? Der Afrikaner ist 15 Minuten zu früh dran? Das können wir ja fast gar nicht glauben, aber es scheint wohl tatsächlich so zu sein. Wenige Augenblicke später sitzen wir in einem Shuttlebus und fahren zu einem Schiffsanlegeplatz. Wir steigen dort auf ein nettes kleines Schiff, das bequeme Sitzmöglichkeiten und kostenlose Drinks, sowie Snacks zum Abendessen bietet. Das klingt doch schon mal vielversprechend!

Und in der Tat, dieser Sunset Cruise ist wirklich eine sehr nette und vor allem chillige Angelegenheit. Eher gemächlich tuckeln wir auf dem Zambesi-River umher, beobachten jede Menge verschiedene Vogelarten und sogar Nilpferde und ein Krokodil. Gut, die trauen sich alle nicht so wirklich aus dem Wasser raus, aber sie sind da und wir haben sie gesehen, nur das zählt

Da die Getränke inklusive sind, switchen wir schließlich beide auf etwas Alkoholisches. So ein guter Weißwein passt hald einfach besser zu einer gemütlichen Schifffahrt als eine Dose Coke Zero.

Als krönender Abschluss einer 2 ½-stündigen Fahrt gibt es dann einen wunderschönen Sonnenuntergang, bei dem die Kamera im Dauereinsatz ist. Ich bin gerade eifrig am knipsen, als ein Chinese, der mit absoluten Profi-Kamera-Ausrüstung ausgestattet ist, wohl mit mir ein Fotobattle machen möchte. Der ist echt voll süß, leider spricht er kein Wort Englisch, so dass ich mit ihm hauptsächlich über Handzeichen kommuniziere, aber notgedrungen geht das auch. Wir verstehen uns schon und versuchen jeweils das bessere Foto als der andere zu erhaschen. Echt lustig!

Nachdem die Sonne vollständig hinterm Horizont verschwunden ist, endet unsere Fahrt wieder an dem Anleger, an dem wir losgefahren sind. Dort tobt sich momentan eine Herde Affen aus. Die sind wohl echt überall! Wenig später werden wir über einen kleinen Umweg,da im Bus noch 2 Asiatinnen sitzen, zu unserem Rainbow Hotel zurückgebracht. Dort versuche ich nochmal meinen Bungeesprung für Samstag klar zu machen, was am Ende aber dann an der Tatsache scheitert, dass ich hier nicht mit Kreditkarte bezahlen kann. Ich vereinbare mit dem Rezeptionisten, dass ich morgen mit Bargeld bei ihm aufkreuzen werde und dann können wir alles arrangieren.

Mit diesen Worten kehren wir dann in unser Zimmer zurück, wo nach ein paar Seiten lesen die Lichter ausgehen.

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27.02. Victoria Falls

Obwohl wir heute Nacht erstmals ein richtig luxuriöses Zimmer habenm habe ich erstaunlich schlecht geschlafen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich diesen Standard einfach nicht gewöhnt bin und damit nicht viel anfangen kann. Um 6:30 Uhr bin ich hellwach und wecke Hank auf, damit wir zum Frühstücksbuffet rennen können. Hach, das ist hier echt ein tolles Sortiment. Der Cappuccino schmeckt lecker, es gibt frische Spiegeleier, Kürbiskernmuffins, Obst und Semmeln. Ich bin glücklich.

Gestärkt mit reichlich Frühstück packen wir unsere 7 Sachen wieder zusammen und nehmen den Shuttlebus um 8:05 Uhr zum Flughafen. Wir sind zwar noch viel zu früh dran, aber ob wir jetzt im Hotel warten oder am Flughafen macht wahrscheinlich keinen großen Unterschied. Wir geben unser Gepäck auf und gehen in den Sicherheitsbereich hinein, wo wir ganz gemütlich die einzelnen Geschäfte abklappern bis irgendwann zum Boarding für unseren Flug nach Victoria Falls aufgerufen wird.

Wir fahren mit einem Flughafenbus zu dem abseits stehenden Airbus A 319 und nisten uns bequem auf unseren Plätzen ein. Die Maschine startet pünktlich um 10:50 Uhr nach Simbabwe. Auf der kurzen Strecke gibt es einen kleinen Snack und Erfrischungsgetränke. Ehe wir uns versehen setzen wir ohnehin schon wieder zum Landeanflug an. Welche ein Überraschung, der Flughafen in Victoria Falls ist miniklein und wir müssen vom Flugzeug zu Fuß zum Terminal laufen. Als wir das Terminal so sehen wird uns schlagartig bewusst, dass wir vergessen haben am Johannesburg-Flughafen unsere Euros in US-Dollar zu wechseln, da wir diese für die Einreise in Simbabwe benötigen. Oh oh, das könnte böse enden!

Wir müssen hoffen, dass wir hier die 60 US-Dollar entweder in Euro bezahlen können, es einen ATM vor der Immigration gibt oder eine Kreditkartenzahlung möglich ist. Gott, sind wir Vollpfosten! Hoffentlich werden wir nicht des Landes verwiesen. Brav reihen wir uns in der Warteschlange ein. Einen ATM hat es natürlich nicht vorher gegeben, war ja klar. Als wir schließlich dran sind, erklärt uns der Officer, dass er weder Euro nimmt, noch ein Geldautomat irgendwo am Airport ist und eine Kreditkartenzahlung auch nicht möglich ist. Kalter Schweiß läuft uns den Rücken hinab und was jetzt? Auf einmal fängt der Officer herzhaft zu lachen an und meint, dass er uns auf den Arm genommen hat. Wir dürfen natürlich mit Euros bezahlen. Puh, Gott sei Dank! Wir haben seinen Scherz eindeutig nicht so lustig gefunden wie er, aber sind erleichtert, dass wir doch keine Probleme bekommen! Für 25 Euro pro Person dürfen wir Simbabwe bereisen und unser Gepäck abholen. Es gibt hier nicht einmal ein Gepäckband, sondern die Rucksäcke liegen inmitten vieler Koffer einfach auf dem Boden. Bevor wir den Flughafen verlassen können, wird unser komplettes Gepäck gescannt, wobei Hank einen vom Kap mitgenommenen Stein, der nicht mal besonders spektakulär aussieht, rechtfertigen muss. Er darf ihn in das Land einführen, aber auf gar keinen Fall hierlassen, er muss ihn unbedingt wieder mitnehmen. Aha, man muss wohl nicht alles verstehen!

Als wir ins Freie treten, stehen die nächsten Probleme schon an: wie kommen wir denn jetzt ohne Geld in die 30-Minuten entfernte Stadt Victoria Falls? Wir sprechen einfach mal mit einem Taxifahrer, in der Hoffnung, dass es in der Stadt einen ATM gibt und er uns bevor er uns ins Hotel bringt , dort hin fährt. Glück! Der Taxifahrer ist für 30 US-Dollar einverstanden. Das ist wohl auch der reguläre Taxipreis. Na dann passt es ja. 30 Minuten später sind wir in der Stadt und mit Bargeld ausgerüstet. Jetzt heißt es erstmal das Rainbow Hotel beziehen und dann schauen wir mal weiter. Das Zimmer ist glücklicherweise sehr schön und das Hotelpersonal sehr freundlich.

Da es inzwischen schon 14 Uhr ist, macht sich auch der Hunger schon wieder breit. Lunch haben wir gerade verpasst, wir werfen also einen kurzen Blick auf die Dinnerkarte des Hotels, denn möglicherweise lohnt sich das Warten ja, aber am Ende ziehen wir doch auf eigene Faust los in Richtung Stadt. Wir haben uns im Lonely Planet ein Lokal namens „Mama Africa“ ausgesucht und müssen ca.1 km marschieren. Unterwegs werden wir von allen Seiten angesprochen.Die einen wollen uns die simbabwische Inflationswährung verkaufen, während die anderen uns irgendwelche Aktivitäten aufschwatzen wollen. So weit sind wir für heute allerdings noch nicht.

Ich bin froh, dass wir das Lokal gleich finden und die warme Küche mitten am Nachmittag geöffnet hat. Ich bestelle mir ein Rindersteak mit Reis und Brot, das bis auf die beigegebenen Tomaten, Zwiebeln und Spinat sehr gut schmeckt. So, jetzt sind wir wieder gestärkt und bereit uns mit den Gegebenheiten hier auseinander zu setzen.

Wir betreten einfach mal ein Touristencenter und stellen fest, dass hier wohl alle die gleichen Angebote haben. Dann ist es ja anscheinend egal, wo wir buchen und wenn wir schon grad da sind, können wir das auch hier gleich machen. Wir entscheiden uns, für morgen Abend einen Sunset Cruise zu machen und am Freitag am Morgen den geplanten Helikopter-Flug, sowie eine anschließende guided tour durch den Vicotria Falls National Park zu machen. Da wir nicht mit Kreditkarte bezahlen können, schlendern wir nochmal los und holen cash, damit wir unser Programm auch wirklich fix buchen können.

Mit den Vouchern ausgestattet geht es sodann zurück zum Hotel. Erneut treffen wir wieder auf eine Menge Einheimische, die uns entweder was andrehen wollen oder einfach nur so um irgendwas betteln. Kurz vorm Rainbow Hotel treffen wir auf Napoleon, der es insbesondere auf Duschgel und Shampoo abgesehen hat. Wir erklären ihm,dass wir diese Utensilien im Moment noch selbst benötigen, am Samstag aber abreisen, dann können wir ihm die Reste überlassen. Er  ist zufrieden und verabschiedet sich bis Samstag. Im Hotel peilen wir gleich mal direkt den Pool an, an dem wir eine ganze Weile rumflätzen, bevor wir schließlich ins Zimmer abmarschieren und ziemlich lätschi gegen  21 Uhr einschlafen.

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26.02. Windhoek – Johannesburg

Heute können wir zur Abwechslung mal bis 7:30 Uhr schlafen, bis der böse Wecker klingelt. Heute erwartet uns aber auch erstmals in diesem Urlaub ein fertig angerichtetes Frühstücksbuffet – juppiee! Einzig die Gäste am Nebentisch – auch Deutsche, aber wohl Saupreissen – sind etwas nervig, weil sie einer ziemlichen Lautstärke verbalen Dünnpfiff von sich geben, aber sonst ist alles prima. Zumindest sind wir richtig gestärkt und können uns ans Zusammenpacken unserer Habseligkeiten machen.

Der Rucksack ist doch deutlich schwerer als beim Hinflug. Woran mag das wohl liegen? Glücklicherweise bringen wir aber doch alle alles unter. Wir räumen unsere Zimmer um 10 Uhr und dann wollen wir erstmal in der Stadt die Rückgabestelle für unser Fahrzeug finden und in Erfahrung bringen, ob es dort einen Shuttleservice zum ca. 40 Kilometer entfernten Flughafen gibt. Zum Glück können wir wieder all unsere Habseligkeiten inklusive Fahrzeugschlüssel in der Unterkunft lassen.

Mit unserer Windhoek-Map tigern wir los und sind schnell in der angegebenen Straße angekommen, aber kein Britz/Maui oder Kea-Rental in Sichtweite. Einzig das Hilton-Hotel sticht uns ins Auge, wo wir kurzerhand einfach mal nach der Vermietung fragen. Leider sind die Blicke, die wir darauf erhaschen genauso fragend wie unsere eigenen. Na super – und was jetzt? Wir gehen einfach mal ein paar Schritte die Straße entlang, sieht nicht danach aus. Wir sehen einen Britz-Camper, der wohl genauso planlos umher irrt – na wenigstens sind wir nicht die Einzigen, die die Station nicht finden! Wir haben zumindest insofern Glück, als dass wir eine Touristeninformation finden, wo wir nachfragen können. Die Dame dort weiß es zwar auch nicht, ist aber äußerst hilfsbereit und ruft einfach mal dort an, um für uns zu ermitteln wo wir denn hinmüssen. Wie sich dabei herausstellt, befindet sich die Vermietung gar nicht in der Stadt, sondern am Flughafen. Aha – gut zu wissen! Dann haben uns die Typen in Kapstadt wohl eine falsche Map gegeben. Bravo! Dann dürfen wir uns jetzt wohl beeilen, wenn wir um 13 Uhr das Fahrzeug zurück geben sollen, zum Flughafen fahren müssen und die Station auch noch finden sollen. Flo will noch Trockenfleisch kaufen, wir sind wohl tatsächllich ein bisschen im Stress.

Gegen 12 Uhr kommen wir schließlich los in Richtung Flughafen. Die 40 Kilometer schaffen wir auch relativ zügig, so dass wir gegen halb 1 dort sind und Wunder oh Wunder, wir finden die Station unverzüglich. Dort erleben wir dann erstmal unser blaues Wunder, da wir natürlich nicht mehr vollgetankt haben, nachdem uns in Kapstadt gesagt wurde, dass wir das Auto leer zurück geben sollen. Wir haben uns in diesem Moment noch gedacht, das ist ja blöd, voll bekommen und voll zurück geben wäre uns lieber, aber jetzt haben wir Stress, da das Auto leer ist und wir es voll bekommen haben. Dies haben wir damals erst erfahren, als wir an der Tankstelle volltanken wollten und lediglich 100 Rand reingepasst haben. Aber wenn man uns sagt „leer zurückgeben“, dann geben wir die Karre – verdammt nochmal – leer zurück. Das heißt telefonieren mit der Abholstelle in Kapstadt.

Der Gangster bestreitet natürlich jemals gesagt zu haben, dass wir das Fahrzeug leer zurück geben sollen. Wenn es voll war, dann muss es voll zurück gegeben werden!! So ein Arsch! Dafür will er uns jetzt eine Strafe von 2 Rand pro Liter aufbrummen, die wir natürlich nicht einsehen. Unser Angebot, selbst nochmal zur Tankstelle zu fahren und den Tank voll zu machen scheitert an der am Flughafen nicht vorhandenen Tankstelle und dem für die Fahrt nach Windhoek zu leer gefahrenen Tank! Na wunderbar!

Nach längerem Hin und Her können wir uns insoweit mit der Vermietung einigen, dass wir die Kosten für einen vollen Tank mit den tagesaktuellen Benzinpreisen bezahlen, wobei sie dafür den Preis in Kapstadt ansetzen, der ohnehin höher ist als der Literpreis in Namibia. Also haben uns die Gangster schon wieder geprellt, aber egal – wir wollen jetzt nur noch unsere Ruhe und endlich von hier wegkommen. Gott sei Dank bringen uns die Gangster wenigstens zum Terminal, wo momentan hinsichtlich des South African Airways-Fluges noch gar nichts los ist. Wir trinken erstmal einen Kaffee und warten. Glücklicherweise dauert es doch nicht so lange bis wir endlich unser Gepäck aufgeben können und einchecken dürfen. 1 ½ Stunden bis zur Boarding-Time und der Flughafen in Windhoek hat absolut gar nichts zu bieten. Der ist kaum größer als bei uns vielleicht der Nürnberg-Flughafen oder so. Und die haben hier eine eigene Fluglinie. Ich kann mir das nicht so recht vorstellen. Naja, wir warten wieder. Als es dann doch endlich ans Boarding geht setzt ein monsunartiger Regen und jede Menge Blitze am Himmel ein.

Zu unserer großen Freude müssen wir auch noch zu Fuß zum Flugzeug gehen, bzw. laufen. Klingt vernünftig! Wir warten eine Weile bis es ein bisschen besser aussieht und dann rennen wir los. Es blitzt und schüttet trotzdem brutal und wir werden doch ganz schön auf dieses kurze Stückchen. Mit ca. 20 Minuten Verspätung starten wir schließlich in Richtung Johannesburg. Wir sind alle reichlich überrascht, dass wir auf diesem gerade mal 2-stündigen Flug tatsächlich ein vollwertiges Abendessen serviert bekommen. Nach schlecht, dann können wir uns das Essengehen in Johannesburg sparen. Ansonsten verläuft der Flug sehr unspektakulär. Hank und ich haben einen sehr netten Sitznachbar, der heute auch mit der Maschine mit der Flo und Marion fliegen nach München fliegt. Wir unterhalten uns ein bisschen mit ihm und ehe wir uns versehen sind wir auch schon in Johannesburg.

Gegen 19:30 Uhr heißt es Abschied von Flo und Marion zu nehmen, wobei mir Flo die letzten 10 Rand in die Hand drückt und mir nahe legt, dass ich dieses Geld weise in einen Kaffee investieren soll. Das muss man mir natürlich nicht zweimal sagen. Ein kurzes und schmerzloses „Servus und guten Flug“ und Hank und ich sind auf uns allein gestellt. Wir gehen zur Immigration, holen uns die üblichen Stempel ab und bekommen unser Gepäck an der Ausgabe, bevor wir uns auf die Suche nach unserem Shuttlebus zum Hotel machen. Es trabt wieder irgendein Einheimischer neben uns her, in der Hoffnung, dass wir ihm fürs lotsen ein paar Rand zustecken, aber wir haben ihn weder um Hilfe gefragt, noch haben wir seine Hilfe benötigt.

Der Shuttlebus kommt auch gleich, so dass wir wenig später im Flughafenhotel Peermont ankommen, unsere Zimmer beziehen, in Ruhe und duschen und wenig später ziemlich müde ins Bett fallen.