Tag 20: Yoho – Kamloops

Wir sind uns nicht so ganz sicher, was wir heute machen sollen. Noch wandern und viele Stops, oder doch Gas geben und Kilometer machen. Immerhin müssen wir übermorgen schon wieder in Vancouver sein. Mal sehn was sich ergibt.

Für den Anfang haben wir noch einen Plan: wir wollen dem Emerald Lake einen Besuch abstatten und eine kleine (nur 1 km) Wanderung zu den Hamilton Falls machen. Auf dem Weg zum Lake liegt noch das kleine Örtchen Field, wo man laut Lonely Planet unbedingt anhalten soll. Wir folgen diesem Tip, sind aber eher ratlos, was hier so toll sein soll. Naja, wems gefällt.

Weiter zum Lake. Wir halten unterwegs auch noch an der „Natural Bridge“ an. Das ist eine Felsformation, die aussieht wie eine Brücke und über einen Gebrigsbach führt. Vor langer Zeit war hier ein Wasserfall über diese Felsen, bis sich das Wasser in den Stein gefressen hat und die Brücke zurück gelassen hat. Interessant.


Am Emerald Lake ankommen stehen wir wiedermal vor einem schönen ruhigen Bergsee. Tolle Farbe und die Berge spiegeln sich im Wasser.

Nach einigen Minuten am Ufer geht es los in den Wald zu den Hamilton Falls. Es geht stetig leicht bergauf einen schmalen Weg entlang. An einer kleinen Kurve stossen wir auf ein Flüsschen mit etwas „Wildwasser“.

Weiter gehts es. Der Weg gabelt sich hier. Aber nach links ist der Weg sehr schmal, also nach rechts. Es wird steiler. Viel steiler. Wir kriechen im Schneckentempo im Zick-Zack-Kurs den Berg hinauf. Nach der x-ten Kurve fängt Carina langsam zum Mosern an sie wollte nicht Bergsteigen gehen sondern nur eine leichte Wanderung machen. Ausserdem glaubt sie nicht, dass wir hier richtig sind. Hm, ich hab zwar auch kein Plan ob wir richtig sind, aber jetzt sind wir schonmal auf dem Weg nach oben, dann können wir ja weiterschaun. Also noch ein paar Kurven. Schließlich sehe auch ich ein, dass wir hier wohl falsch sind. Also wieder zurück.

Unten stellet sich heraus, dass der linke schmale Weg der richtige gewesen wäre. Mist. Aber dann halt jetzt. Nach wenigen Metern sehen wir dann auch die Hamilton Falls. Schaut ganz cool aus, weil die Fälle quasi im Felsen sind.
Wir verweilen ein wenig und kehren dann zurück zum Camper. Weiter gehts auf dem Highway.

Ich brause gemütlich dahin als es plötzlich einen Schlag tut der mich ganz schön erschrecken laesst. Was wars? Ein Stein ist uns in die Windschutzscheibe gedonnert und hat einen riesigen Steinschlag hinterlassen.


Na super! Ich habe keine Ahnung wo dieses Ding hergekommen ist. Vor uns ist der Highway frei. Nur Gegenverkehr hatten wir gerade von drei Autos. Aber ich hatte das Gefuehl der Stein sei auf uns zugeflogen. Komisch. Wie dem auch sei, unsere Laune ist jetzt erstmal am Boden. Wir sind uns nicht sicher, was wir beim Buchen der Reise für eine Versicherung abgeschlossen haben. Wir wissen nur, dass wir in Kanada bei dem Camperverleih für Schäden eine Selbstbeteiligung von 500 Dollar (+ Tax) haben. Und das kostet die Scheibe mit Sicherheit. Ganz grosse Klasse!

Wir halten im nächsten Örtchen und stürmen ins Info-Center. Wir brauchen unbedingt ein Internet-Cafe, um mit unserem Reisebuero Kontakt aufzunehmen. Ausserdem holen wir auch noch Infos über die kommende Strecke ein. Nachdem wir dann die Mail nach good old Germany geschickt haben, haben wir uns wieder etwas beruhigt. Wir sind uns uns inzwischen doch relativ sicher, dass wir daheim eine gute Versicherung haben. Wird dann scho passen.

Wir konzentrieren uns wieder aufs Wesentliche und steuern die nächste Sehenswuerdigkeit an, den Rockgarden-Trail. Hier sollen am Wegesrand Felsen liegen, in denen man gut Versteinerungen und Fossilien erkennen kann.


Wir laufen den nur etwa 500 Meter langen Rundweg ab. Ich betrachte immer wieder die markierten Felsen, kann da aber rein gar nichts erkennen. Das wär wohl eher was für nen Geologen. Da es inzwischen schon wieder Mittag ist gibt es erstmal die obligatorischen Nudeln. Als wir weiterfahren wundere ich mich etwas, dass der vorhin noch stark befahrene Highway in unsere Richtung fast leer ist.

Nach wenigen Kilometern sind wir am nächsten Stop ,dem Helmlock Grove Trail. Wieder ein 500 Meter langer Rundweg. Und wieder hält sich unsere Begeisterung in Grenzen. Ist zwar schon ganz schön und nett, aber verglichen mit dem was wir auf unserer Reise schon gesehen und erlebt haben eher ein Trostpreis. Also wieder weiter auf den immer noch leeren Highway. An einer Baustelle müssen wir dann 10 – 15 Minuten warten bis wir weiter koennen. In dieser Zeit sammeln sich ganze 5 Fahrzeuge hinter uns an. Einer der Bauarbeiter kommt zu uns und fragt uns ob wir x gesehen hätten. Da er aber sehr undeutlich redet verstehen wir nicht was x sein soll. Carina sagt kurzerhand mal nein und läßt das Fenster wieder nach oben. Ich hätt ja schon gern gewusst was genau wir sehen hätten sollen. Aber schön langsam dämmert es uns. Der Highway ist so leer, weil hinter uns ein größerer Unfall passiert ist.

Am nächsten Stop fragen wir dann mal einen der Parkwächter, der bestätigt uns den Verdacht. Genaueres als dass die Strasse im Moment komplett dicht ist weiss er aber auch nicht. Puh, da haben wir wohl Glück gehabt, dass wir früh genug auf der Straße waren und jetzt nicht im Stau stecken. Hier war übrigens auch wieder eine kurze Runde durch den Dschungel angesagt. Diesmal gilt es die Giant Cedars zu bewundern.

Nach diesen kleinen Abstechern in die Natur schlagen wir in der Kleinstadt Revelstoke auf. Weil wir keine grosse Lust haben in ein Museum oder den Nationalpark zu gehen suchen wir wieder die Public Library auf, um ein wenig zu bloggen. Wir haben zwar im Laufe des Tages wegen dem erneuten Überschreiten der Zeitzone wieder eine Stunde gewonnen, aber es ist auch schon wieder fast Abend. Da wir hier aber nicht bleiben wollen fahren wir noch weiter bis kurz vor Kamloops. Das Office des angesteuerten Campingplatzes hat leider schon geschlossen. Als wir etwas unschlüssig in der Einfahrt stehen kommt ein Angestellter (der Hausmeister?) in seinem Golfbuggy angebraust und meint wir sollen uns einfach irgendwo hinstellen und dann morgen früh zahlen. Das machen wir doch glatt.

Tag 19: Lake Louise – Yoho Nationalpark

Oh man, was war denn das heute Nacht? Erstens hat es mich gefroren wie nochmal was und ausserdem sind die ganze Nacht direkt neben uns Züge vorbeigefahren, die den Eindruck erweckt haben, direkt durchs Wohnmobil zu brausen. Die Bahngleise waren auch nur wenige Meter von unserem Camper entfernt! So ein Mist – aber die Sonne scheint, wenigstens etwas!

Nach einem leckeren Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Moraine Lake, der ca. 14 km vom Örtchen Lake Louise entfernt ist. Am Parkplatz zeigt sich sehr schnell, dass wir in einer touristischeren Gegend gelandet sind, denn überall wurlt es an Schaulustigen. Insbesondere die typischen Busladungen an Japanern sind wieder am Start. Die sind doch wirklich überall!!!

Wir besichtigen den See zunächst vom Ufer aus und stellen fest, dass man eine kleine Wanderung auf einen Geröllberg machen kann, von wo aus man eine wunderschöne Aussicht auf den herrlichen Bergsee hat, abgesehen von den Menschenmassen ist der See wirklich sehr schön! Die Sicht aus der Vogelperspektive ist schon echt atemberaubend, genau so, wie man sich die kanadischen Rockies vorstellt. Ein türkisblauer See mit einigen Kajaks umgeben von schneebedeckten Bergen und Waldstücken. Herrlich!

Nach dem relativ kurzen Walk auf den Berg entscheiden wir uns, eine richtige Wanderung zu machen und statten uns entsprechend aus, Wanderschuhe, Rucksack, Powerbar, Getränk, etc. Voll bepackt geht es in Richtung Consolation Lake, für die Wanderung sind ca. 2 Stunden veranschlagt, die wir auch tatsächlich brauchen. Es geht durch ein Waldstück ein bisschen bergauf, dann durch Matsch und Schneereste, ehe wir am anderen See ankommen.

Dort wuseln lauter kleine Murmeltiere rum. Voll süss!

Und das Allerbeste: es ist menschenleer. Lediglich ein vereinzelter Japaner hat sich hierher verirrt! Es geht über einige Felsen, bis zum Ufer, aber was sich uns dort bietet ist Wahnsinn! Die Landschaft hier ist einfach unglaublich schön. Die Wanderung hierher war absolut lohnend, ein Traum!!

Wir verfolgen mit unseren Kameras ein wenig die Murmeltiere, die hier miteinander raufen und spielen, ehe wir uns wieder auf den Rückweg machen – immerhin haben wir noch ein volles Programm vor uns!

Wir stärken uns noch mit unseren leckeren Cliff-Powerbars, als uns eine deutsche Kanadierin ueber den Weg läuft und uns ein bisschen ueber das Leben in Kanada berichtet. Sehr interessant!

Anschliessend geht es an den Lake Louise See. Hier stellen wir zu unserem Entsetzen fest, was der Lonely Planet mit einem „Touristenmagneten“ gemeint hat. Alleine der Parkplatz gleicht der Theresienwiese und die Menschenmenge, die sich hier um den Bergsee versammelt hat, könnte wahrscheinlich die Allianz Arena füllen! Okay, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber man kann sich ungefähr vorstellen, wie es hier aussieht!

Dementsprechend zügig ergreifen wir die Flucht, da hilft selbst der an sich wunderschöne See nichts!


Es geht wieder zurück in das Lake Louise Village. Wir steuern zunächst das Info-Center an, um uns über eine Fahrt mit der Gondel zu infomieren.

Da auch das Wetter paßt beschliessen wir, uns auf den Gipfel des Mount Whitehorn befördern zu lassen. Nach einem kurzen Einweisungsfilm geht es via Sessellift etwa 15 Minuten bergauf. Das Panorama ist einzigartig! Man hat einen traumhaften Blick auf die umliegenden Berge und den Lake Louise See, der sich mit seiner einmaligen Farbe wunderschön in Szene setzt.

Leider geht die Fahrt nicht bis zum Gipfel, sondern lediglich zur Mittelstation! Hier gibt es eine Ausstellung ueber die Grizzlybären in der Gegend und einen knapp 30 mins. dauernden Film ueber diese faszinierenden Bewohner Kanadas, den wir uns interessiert anschauen, ehe wir mit dem Sessellift wieder ins Tal fahren.

Unten angekommen, greifen wir noch eine ca. 60 km lange Fahrstrecke in den Yoho Nationalpark an. Mittlerweile merke ich doch ein ziemliches Hungergefühl und bin dementsprechend lästig, als wir noch Halt machen bei den Spiral Tunnels, die vielleicht in architektonischer Hinsicht faszinierend sein moegen, aber aus meiner Sicht eher langweilig sind. Auch dem Stop bei den Takakkaw Falls, die immerhin mit ihren 380 m die 2. Höchsten Wasserfälle in Kanada sind, kann ich aufgrund meiner vorgenannten Beeinträchtigung nicht mehr ganz so viel Begeisterung entgegen bringen.

Was bin ich froh, als wir dann endlich einen Campingplatz gefunden haben und ich mich vor einem Teller Pesto-Nudeln wieder finde! ☺

Tag 18: Banff – Lake Louise

Für heute hat der Wetterbericht Regen angesagt. Deswegen sind wir auch nicht überrascht, dass es in der Früh nieselt. Morgen soll es wieder schön werden. Also legen wir heute einen faulen Tag ein, um die Seen in der Gegend bei schönem Wetter zu sehen.

Ganz so faul sind wir dann doch nicht, gehen erstmal ins Whyte Museum of the Canadien Rockies. Dort erfahren wir wie es mit diesem Örtchen vor ca. 100 Jahren so angefangen hat. Ausserdem gibt es eine Ausstellung über die bedeutenden Frauen in der Geschichte des Nationalparks. Die erste Gletscherforscherin, die erste Frau, die alle Gipfel uber 10.000 Fuss in den Rockies bestiegen hat (um die 50 Stück), die erste Rangerin usw. Imposante Persönlichkeiten.

Nach dem Museum fahren wir zu den örtlichen heißen Quellen, den Upper Hot Springs. Wir stellen uns das Ganze wie ein Schwimmbad vor, wo wir ein paar Stunden verbringen können. Es stellt sich heraus, dass es dort aber nur ein Becken gibt, in dem das Wasser 39 Grad warm ist.


Empfohlene Aufenthaltsdauer im Wasser: 20 Minuten. Soso. Wir halten es ca. ne dreiviertel Stunde im Wasser aus, dann wirds uns doch zuviel. Aber nach diesem warmen Bad sind wir sehr entspannt.

Es geht wieder zurück in die Stadt.

Vorher legen wir noch einen Stop bei den Bow Falls ein. Wiedermal Wasserfälle. Schön anzusehen, aber lange nicht so imposant wie die anderen die wir schon gesehen haben.

Weiter zum Banff Springs Hotel. Das ist ein riesiger Komplex, der bis ins letzte Detail einem schottischen Schloss nachempfunden wurde. Man kann hier fuer schlappe 250 Dollar eine Nacht verbringen.

Es gibt hier auch ein paar Shops durch die wir spazieren, aber das ist eindeutig nicht unsere Preisklasse. Schön anzusehen ist das hier trotzdem.

In der Stadt gehen wir erstmal in die öffentliche Bücherei. Hier soll es gratis Internet geben. Was stimmt und so nutzen wir die Zeit, um wieder ein wenig zu bloggen. Als die Bücherei schließt werfen wir noch ein wenig Kleingeld in die Donations-Box und schlendern dann zurück zu unserem Van.

Da wir morgen die Seen um Lake Louise erforschen wollen fahren wir heute noch dorthin, um morgen vor den anderen Touris starten zu können. Wir nehmen den Weg über den alten Highway. Der soll etwas schöner sein und auch hier soll man die Chance haben Tiere zu sehen. Wie immer wenn einem das versprochen wird sehen wir nix! Aber die Straße ist trotzdem schöner als die alternative Autobahn.

Auch wenn ich das Gefühl habe Carina (fährt das Stuck) würde viel lieber Autobahn fahren. Sie schimpft über die 50er und 60er Begrenzungen…

Um halb 8 checken wir dann in unseren Campingplatz ein und machen noch ein paar fast Sonnenuntergangs-Fotos (bissl zu früh ist es noch) am nahen Fluss.

Tag 17: Jasper – Banff

Um 8 Uhr klingelt der Wecker und wir quälen uns aus dem Bett. Das Wetter könnte besser sein, aber wenigstens regnet es nicht. Nach dem Frühstück geht die Fahrt Richtung Banff los.

Wir nehmen den alten Highway, der zwar länger dauert, weil er kurvenreicher ist, aber dafür soll es die schönere Strecke sein. Diese Entscheidung stellt sich relativ schnell als klug heraus: Bereits nach wenigen Kurven sehen wir am Strassenrand einen Menschenauflauf stehen, die einen putzigen Schwarzbär im Baum beobachtet. Da gesellen wir uns dann doch auch gleich dazu. Der süsse Kerl sitzt in der Baumkrone und relaxed und das nur wenige Meter von uns entfernt! :-) Wir schiessen eine ganze Fotoserie, ehe wir unsere Reise fortsetzen.

Die Strecke zum Mount Edith Cavell dürfen wir nicht nehmen, da unser Fahrzeug mit einer Laenge von 7,20 m exakt 20 cm zu gross ist. :-( Wir steuern daher zunächst die Athabasca Falls an, die man ueber einen kurzen Walk einfach erreichen kann. Die Wasserfälle sind ganz nett und einen Stop wert.

Wir müssen nicht lange fahren, bis wir schliesslich bei den nächsten Wasserfällen angelangen. Diesmal die Sunwapta Falls, die man ebenfalls über einen kurzen Marsch problemlos erreichen kann. Mich persönlich beeindrucken diese Fälle jetzt nicht so besonders, da sie im Vergleich zu dem, was wir auf unserer Reise schon gesehen haben, eher mickrig wirken.

An einem der zahlriechn Viewpoints an diesem Highway treffen wir auf eine gemütlich am Strassenland liegendes Bergschaf. Der Bursche läßt sich wirklich durch nichts aus der Ruhe bringen und beobachtet uns genauso interessiert wie wir ihn.

Entlang des Highways erreichen wir gegen Mittag das Columbia Icefield Center. Hier schaut es, wie der Name schon ahnen laesst, eher nach einem plötzlichen Wintereinbruch, als nach sommerlichen Verhältnissen aus. Vor allem der Athabasca Glacier beeindruckt mit seiner dicken Schneedecke, die nahezu bis ins Tal reicht.


Wir suchen erstmal die Information auf und stellen zu unserem Entsetzen fest, dass es hier total überfüllt mit Touristen ist, allen voran die Busladungen Japaner. Es würde hier zwar nette Möglichkeiten geben, was wir machen könnten, aber aufgrund des Massenandrangs ergreifen wir doch lieber die Flucht und setzen unsere Fahrt in Richtung Süden fort.

Wir fahren noch einige Kilometer bis zum Saskatchewan River Crossing, wo wir dann einen Wucherpreis fuer eine Benzinladung bezahlen. (wie sich später herausstellt, haben wir 34 Ct./Liter zuviel bezahlt!!!) Wir machen noch unsere kleine Nudel-Mittagspause, bevor die Tour weitergeht.

Wir erreichen den Lake Peyto, der laut Lonely Planet als der blauste See der Rocky Mountains gilt und stellen fest, dass es hier wunderschön wäre, wenn nicht ebenfalls massenweise Touristen, auch wieder hauptsächlich Japaner, vor Ort wären.

Wir entscheiden uns daher uns von der Menschenmenge abzusetzen und einen kleinen Trail zu wandern. Hier treffen wir ausser auf ein paar Chipmunks auf keine Lebewesen.

Es gibt zwar nicht viel zu sehen, aber die Ruhe ist ganz angenehm dort!

Als wir am Viewpoint des Lake Bow ankommen setzt plötzlich Regen ein. Dieser kommt allerdings nicht von oben, sondern waagerecht von rechts! Oh nein, das darf doch gar nicht wahr sein!

Gegen 17:45 Uhr kommen wir in Lake Louise an, dort überlegen wir, wo wir nächtigen sollen, da für morgen schlechtes Wetter angesagt ist. Kurzerhand fahren wir die 60 km bis Banff, wo man mehr Rain-Options hat. Nach rund 45 mins. checken wir am Campingplatz ein und machen uns nochmal auf den Weg in die Stadt.

Banff ist ein richtiges Touristennest, insbesondere die Preise dort sind besonders abschreckend! Wir laufen die Banff Avenue entlang und landen einmal mehr bei Roots und decken uns mit Canada-Wear ein.

Wir suchen noch einen kleinen Lebensmittelladen auf, um uns mit Brot und Eiern einzudecken, wofür wir einen unverschämten Preis bezahlen und im Wohnmobil feststellen, dass die Semmeln mit Bohnenfüllung sind! Ich sag nur „Igitt!!“.

Tag 16: Jasper

Heute haben wir unseren Wecker sehr früh gestellt, auf 6 Uhr. Für uns entspricht das aber eigentlich 5 Uhr, da wir erst gestern Nachmittag in diese Zeitzone hier gekommen sind. Der Grund dafür: heute wollen wir zum Lake Maligne fahren. Der ist etwa 60 Kilometer von Jasper entfernt. Die Straße dorthin windet sich durch die Berge. Im Lonely Planet steht, dass man sehr gute Chance hat ein paar wilde Tierchen zu sehen, wenn man früh genug und vor der Besucherflut des Sees dran ist.

Auf dem Weg aus dem riesigen Campingplatz (780 Stellplaetze) raus sehe ich ein Karibu-Jungtier über die Straße hüpfen. Carina ist noch viel zu verschlafen, um zu reagieren. Ich schau mich um, wo denn die Mutter von dem Jungtier ist und sehe sie ca. 50 Meter durch den Wald, bei den nächsten Stellplätzen. Dort jagt sie gerade eine Touristin und ihre beiden Hunde um den Wohnwagen. Ganz lustig anzusehen, sicher nicht lustig fuer die Touristin. An den ganzen Warnzetteln, die man hier ständig bekommt und die überall rumhängen ist wohl doch was dran.

Weiter gehts auf dem Highway. So kann es weitergehen mit den Wild-Sichtungen. Ich bin schon gespannt auf die Maligne Road! Diese fahren wir dann ganze 60 Minuten entlang. Leider stellt sich heraus, dass der Lonely Planet der hiesigen Tierwelt nicht Bescheid gegeben hat, dass es sich gehört für die Frühaufsteher am Straßenrand zu posieren. Genau Null Sichtungen. Ich bin enttäuscht :-(

Beim Lake angekommen holen wir dann erstmal das Frühstück nach. Jetzt sind wir fit für eine kleine Wanderung. Die führt uns erst am Ufer des Lake Maligne entlang. Echt ein schöner See. Mit 22 km der längste in den kanadischen Rockies.

Außer einer Ente auch hier nix tierisches zu sehen. Dann zweigt der Wanderweg Richtung Lake Moose ab.

Vielversprechender Name aber wieder nix. Die namensgebenden Elche sind wohl schon vor langer Zeit weiter gezogen. Na gut, ein paar Vögel sind hier, die dann als Ersatz als Fotomotive herhalten müssen. Zurück am Parkplatz wächst meine Enttäuschung. Von wegen Kanada das Land der Bären und Elche!

Man könnte hier auch ein Kanu mieten und rumpaddeln, aber dazu ist es uns zu kalt. Alternativ kann man mit einem etwas grösseren Touri-Boot bis ans andere Ende des Lakes fahren. Dort ist eine kleine Insel, die auf vielen Postkarten zu sehen ist. Aber die 60 Dollar pro Person ist uns der Anblick dann doch nicht wert. Also fahren wir wieder den ganzen Weg zurueck.

Nach einigen Kilometern sehen wir dann auf der anderen Straßenseite einen Bus und einige Autos stehen. Was da wohl sein mag? Kurzentschlossen lenke ich den Van in die nächste Parkbucht und wir springen mit den Kameras bewaffnet aus dem Wagen. Uns kommen schon 2 Touris entgegen mit der freudigen Nachricht „A bear“! Man darf aber nur mit dem Auto ran. Also zurück, gewendet und in die Warteschlange eingereiht. Es ist auch schon ein Ranger vor Ort, der die vordersten Autos nach einigen Augenblicken immer wieder weiter winkt. Als wir endlich ganz vorn sind sehen wir erstmal gar nix. Dann bewegt sich ein schwarzer Punkt im Dickicht. Das ist er! Zu meiner Freude bewegen sich hinter dem grossen Punkt auch noch zwei oder drei kleinere. Wie geil, eine Mutter mit ganz jungen Bärchen. Carina versucht den Bär gut vor die Linse zu bekommen. Leider ist er etwas versteckt und dann werden wir auch schon weiter gewunken.

Ganz euphorisiert von dem Anblick wenden wir nach ein paar hundert Metern wieder in unsere Richtung. Als wir am Bär vorbeikommen stehen da grad nur zwei Autos. Wir nutzen die Gelegentheit und halten nochmal an. Inzwischen sind die Babys aus dem Wald gekommen und spielen in der Wiese. Was für ein Anblick! Die Mutter kommt auch gerade aus dem Wald. Riesig. Nein. Bärig! Carina ist mit fotografieren beschäftigt. Dann müssen wir wieder weiter. Als ich die Fotos betrachte bin ich entsetzt. Keine Baby-Bären drauf! Wuah! Carina hat ihren Zoom so weit ausgefahren, dass sie nur die Mutter gesehen hat und überhaupt nicht mitbekommen hat, dass die Kleinen auf der Wiese sitzen. Ich bin sehr enttäuscht, das wär ein Hammer Foto gewesen. Naja, aber wenigstens haben wir überhaupt die Bären gesehen. Muss ich das Bild halt gut in Erinnerung behalten.

Weiter geht die Rückfahrt. Dann vor uns wieder einige stehende Fahrzeuge. Noch ein Bär? Nein, die Leute sind ausgestiegen. Wir halten auch. Was wir wenige Meter entfernt sehen ist wohl ein Wapiti-Hirsch. So genau kann ich das aber nicht sagen, die Wild-Sorten hier ähneln sich für einen Laien doch zu sehr.

Wir schießen ein paar Fotos und fahren weiter Richtung Stadt.

Auf dem Weg liegt noch der Maligne Canyon. Weil wir nichts weiter vorhaben halten wir an und laufen los. Hier hat sich der Maligne River im Laufe der Jahrhunderte ins Gestein gefressen und ist nun gute 20 Meter unter uns. Wir stehen auf einer Brücke und schauen zum Fluss hinunter.


Man könnte noch weiter stromabwärts wandern, aber da wir keine rechte Wanderslust verspüren, etwas müde sind und auch nicht so beeindruckt sind beschliessen wir zurück in die Stadt zu fahren.

Dort angekommen machen wir erstmal bei einem der hiesigen Asiaten Mittag. Die Süss-Sauer-Sosse ist schon sehr süss. Aber schmeckt grad noch. Wir fahren zurück zum Campingplatz und wollen am Laptop Blogeinträge vorbereiten. Der Computer hat die letzten Tage schon ein wenig zu bocken angefangen, jetzt fährt er gar nicht mehr hoch. Na super! Ich bin froh, dass ich meine auf den PC überspielten Fotos noch nicht von der Speicherkarte gelöscht habe. An dieser Stelle dank an Moare für die Ersatzkarten!

Tja, was nun? Da wir heute nichts mehr unternehmen wollen fahren wir wieder in die Stadt und gehen eben in ein Internet-Cafe zum bloggen. Damit sind wir dann auch über ne Stunde beschäftig. Das wars auch schon für heute.