16. Tag: Khao Lak

Als wir aufwachen hoeren wir schon das Trommeln auf dem Bungalow-Dach. Es regnet mal wieder. Na toll, dann schauts mit unserem Roller-Plan ja wohl eher schlecht aus. Aber mal abwarten, vielleicht bessert sich die Wetterlage ja bald. Ist hier ja nicht ungewoehnlich. Also suchen wir uns erstmal was zum Fruehstuecken und faulenzen dann noch ein wenig. Inzwischen ists elf geworden und wir muessen raus aus unserem Bungalow. Es regnet immer noch. Mal mehr mal weniger heftig. Fieberhaft ueberlegen wir was wir machen sollen. Es kristallisieren sich zwei moegliche Plaene heraus:
– hier bleiben, den Regen Regen sein lassen und die Gegend erforschen
– in den naechsten Bus springen und Richtung Ostkueste fahren, von dort aus dann nach Ko Samui

Leichter Favorit ist Variante 2. Aber bevor wir uns aufmachen checken wir lieber noch im naechsten Internetcafe die Wetterlage am Ziel. Wir stellen schnell fest, dass es im Moment im kompletten Sueden von Thailand regnet und auch waehrend der naechsten Woche nicht aufhoeren soll. Damit ist Ko Samui wieder aus dem Rennen. Bei Regen auf ner badeinsel festhaengen ist nicht wirklich prickelnd…

Tja, dann suchen wir uns hier wieder eine Bleibe, was auch ohne Probleme hinhaut. Inzwischen hat es auch endlich aufgehoert durchgehend zu regnen. Ab und zu Nieselregen ist OK (ja, inzwischen sind wir damit echt gluecklich).

Zum Zimmer mieten wir dann auch gleich zwei Roller, um die Gegend zu erforschen. Laut Karte gibt es hier einige Wasserfaelle. Also los, ab auf die Piste!

Erstmal gilt es das Gefaehrt aufzutanken. Laut unserer Vermieterin ist die Tanke gleich 500 Meter weiter. Hm, Carina und ich halten beide die Augen offen, aber eine Tankstelle koennen wir beim besten Willen nicht finden. Auf unserer Karte ist zwar schon eine eingezeichnet, aber die ist schon etwas weiter weg. Letztendlich landen wir aber trotzdem bei der, weil unterwegs nix kommt. Thai-Entfernungsangaben…

Also auf zum ersten Wasserfall!
Leider erweiste sich unsere Karte als nicht allzu genau und es laesst sich nur anhand der eingezeichneten Hotels abschaetzen wo wir in etwa sind. Den laut Karte naechsten Wasserfall Pak Weep verpassen wir gleich mal und stehen vor einem Schild zum zweiten, dem Sai Rung. Egal, den wollen wir ja auch sehen. Also ab auf die kleine Nebenstrasse. Gerade noch sehe ich im Vorbeiduesen ein anderes Schild zum Rainbow-Waterfall. Ui, noch einer, sehr gut. Also erstmal dahin. Er ist sehr abgelegen und die Gegend ist total ausgestorben.

Hier ist zwar sowas wie ein Besucherzentrum mit Lokal, aber wir sehen absolut niemanden. Merkwuedig. Wir geniessen ein wenig die Einsamkeit, schiessen ein paar Fotos und dann gehts zurueck, auf zum naechsten Wasserfall. Wir suchen den Sai Rung Wasserfall weiter auf der Nebenstrasse, doch es kommt nichts. Vermutlich heisst Sai Rung Regenbogen und wir warn schon am richtigen Wasserfall. Fragen koennen wir hier auf jeden Fall niemanden.

Naja, sind ja noch genug andere auf der Karte. Auf zum Bor Hin Wasserfall. Nach laengerer Fahrt entdecke ich ein Resort, dass laut Karte auf jeden Fall nach dem Wasserfall liegt. Also drehen wir wieder um. Vielleicht haben wir ja das Hinweisschils uebersehen. Ein Schild finden wir auch auf der Rueckfahrt nicht, aber dafuer eine Seitenstrasse, die als Tsunami Evacuation Route ausgewiesen ist. Dann schau mal halt die an. Wir landen wir auf einer ziemlich kleinen Nebenstrasse, die Palmen haengen teilweise ziemlich tief, so dass ich mich auf dem Roller buecken muss. Am Ende des Wegs stehen wir dann unverhofft vor einem Wasserfall. Schilder gibts wieder keine, aber wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass das unser eigentliches Ziel war. Auch hier keine Menschenseele zu sehen. Aber der Wasserfall ist echt toll!

Wieder zurueck auf der Hauptstrasse greifen wir nochmal den anfangs verpassten Pak Weep an. Wir halten nach Abzweigungen ausschau, aber es ist keine da. Also finden wir auch keinen Weg zum Wasserfall. Naja, egal. Einer ist ja noch auf der Karte, der Chong Fah. An dem sind wir Mittags schon bei der Suche nach der Tankstelle vorbeigekommen. Zu dem habe ich sogar schon ein Schild an der Strasse gesehen, den sollten wir auf jeden Fall finden.

Unterwegs kommen wir noch am Khao Lak Elephant Camp vorbei und steigen in die Bremsen, um uns das mal anzusehen. Uns wird auch gleich die Preisliste fuers Elefantenreiten praesentiert. Also wir etwas unschluessig drein schauen faellt der Preis von allein um 300 Baht. Na gut, da kann man nicht mehr nein sagen. Wenig spaeter sitzen wir in gut 2 – 3 Meter Hoehe samt Reiter auf dem Ruecken von einem Elefantenbullen ohne Zaehne und zuckelen durch den Dschungel. So ein Elefant hat schon eine eher gemuetliche Gangart… Unterwegs bleibt der graue Riese immer wieder stehen und reisst ein paar Buesche aus, die er sich ins Maul stopft. Unsere Runde dauert ne gute Stunde und ist sehr schnell wieder rum. Besonders aufregend wars zwar nicht, aber schon ganz nett.

So, weiter zum Chong Fah. Die Strasse ist anfangs normal asphaltiert, geht dann ueber in aeltere Betonplatten, um schliesslich in einem Kiesweg zu enden. Auf dem muessen wir aber noch gut 3 km zuruecklegen. Kein Problem, dass diese Roller hier gelaendegaengig sind haben wir ja schon in Krabi getestet ;-)
Als wir dann an der Einfahrt zum Wasserfall (dieser hier scheint besser besucht zu sein) vorbeibrausen huepft uns wild gestikulierend ein Thai vor den Roller. Wir duerfen nicht weiterfahren, sondern muessen den letzten Kilometer gehen. Andere Touris, die den Weg grad zurueck kommen sagen uns, dass der Weg schon etwas steiler wird und man sicher 20 Minuten einfach braucht. Da es aber in ungefaehr einer Stunde dunkel wird, wir auch noch ein gutes Stueck zurueck in die Stadt haben und nicht so scharf drauf sind im Dunkeln zu fahren lassen wir es bleiben. Vielleicht morgen vormittag, haben den Roller ja bis halb 12. Also den ganzen Weg zurueck. Inzwischen regnet es auch wieder etwas staerker.

An der Stelle wo die Betonplatten in den Asphalt uebergehen ist ein kleiner Huegel, also bremse ich ab, um sicher raufzukommen. Kaum bin ich ein paar Meter weiter stellts mir alle Haare auf: ich hoere hinter mir ein Quietschen und Scheppern!
Also ich mich umdrehe die Gewissheit: bei Carina hat mal wieder das Crash-Test-Dummie-Gen zugeschlagen und sie hats geschmissen! Fuck! Kein schoener Anblick wie sie neben dem Roller liegt. Die schlimmsten Befuerchtungen kommen in mir hoch. Fuck. Fuck. Fuck. Schnell springe ich vom Roller und laufe zurueck. Sie bewegt sich inzwischen zumindest wieder und setzt sich auf. Das Knie ist blutueberstroemt. Ich schaus mir genauaer an und zieh gleich mal nen Kieselstein aus dem Knie. Auch die Hand schaut nicht gut aus, ist stark aufgeschuerft. Aus der naechsten Huette kommt ein besorgt dreinschauender Thai herangeeilt und redet was von Doktor. Das lehnt Carina – immer noch am Boden sitzend – natuerlich gleich mal ab, „No Doctor!“. Typisch. Aber ihr scheint nichts weiter zu fehlen. Hoffentlich. Ich helfe ihr dann auf die Beine. Ihre groesste Sorge ist ihre neue Jack Wolfskin Jacke… „Die bloede Jacke, is doch egal!“ sag ich ihr. Ihr ist eher das Knie egal, das waechst ja wieder zam.
Naja, ich versuch dann noch ihr klarzumachen, dass wir den Roller auch stehen lassen koennen wenns nicht geht, aber sie laesst sich nicht davon abbringen wieder aufzusteigen. N alter Sturkopf eben. Also fahren wir weiter. Carina faehrt in sehr gemaechlichem Tempo voraus. Ich fahr etwas versetzt hinter ihr, nicht dass sie in dem jetzigen Schneckentempo noch umgefahren wird. Bei jeden kleinen Schlenker den sie macht packt mich die Angst. Aber es geht alles gut und wir kommen im Hotel an. Wir waschen die Wunden aus und spruehen Desinfektionsmittel drauf. Dann besorgen wir noch in der naechsten Apotheke Pflaster die gross genug sind. Carina humpelt tapfer neben mir her.

Nach dem Schock und nachdem die Wunden jetzt versorgt sind gibts erstmal das verdiente und ueberfallige Abendessen. Ich bin ja mal gespannt, wie es ihr morgen mit dem Knie geht. Wahrscheinlich tuts ihr weh und sie kann nicht gehen. Damit fallen wohl saemtlichen Unternehmungen flach. Aber das werden wir morgen sehen…

5 comments on “16. Tag: Khao Lak

  1. Du dramatisierst das ganze aber echt ziemlich! Es hat zwar im ersten Moment echt hoellisch weh getan, aber ich hab gleich gemerkt, dass ich mich nicht ernsthaft verletzt hab!!
    Alter Troublemaker!! :-D

  2. Doch, haben wir gewusst. Aber laut Bekannter ist es mit der Regenzeit hier genauso wie bei uns mit dem Sommer: der Name verpflichtet zu nichts ;-)
    Und auch die Einheimischen hier haben alle gesagt, dass es dieses Jahr sehr viel mehr und laenger regnet als die letzten Jahre. Is halt immer n Gluecksspiel mit dem Wetter…

    Carina laesst ein „Danke“ fuer die Besserungswuensche ausrichten.

    Servus,
    Hank

  3. Puh – gute Besserung, Carina, da hast ja echt Glück gehabt!!!
    Ihr habt aber wirklich überhaupt kein Glück mit dem Wetter… ein Monat später als Reisezeit wär wohl doch besser gewesen… aber Ihr macht das beste draus, und das ist Hauptsache!

    Viele liebe Grüße
    ilona

  4. Übrigens war ich in Khao Lak auch beim Doc, nachdem ich auf Phi Phi vom wilden Affen gekratzt wurde und ich mir echt übelst auch noch den Magen verdorben hatte. Ist ganz o.k. – aber das english-dictionary nicht vergessen!! :-) Ich weiß bis heute nicht, was ich da dann für Tabletten gekriegt habe – aber geholfen haben sie! :-)

    LG
    ilona

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